Rio de Janeiros Stadtteil Urca

Die Geschichte von Urca

Der Zuckerhut liegt gar nicht direkt in Rio:

Das ruhige, hübsche Stadtviertel Urca an der malerischen Guanabara-Bucht darf sich damit rühmen, zu Füßen des berühmten Pão de Açucar zu weilen, inklusive passender Talstation für die gut besuchte Seilbahn.

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Über den Praia Vermelha, der übersetzt zwar »Roter Strand« heißt, aber gar nicht rot ist, gelangt der Brasilienurlauber zum Kletterweg, der bis zum Gipfel führt. Urca blickt auf eine spannende Geschichte zurück.

Die Kolonialzeit: Streit zwischen Franzosen und Portugiesen

Zuerst einmal waren da die Jahre der Besatzung: 1555 setzten sich die Franzosen in der Bucht fest und erregten den Neid der Portugiesen, die sich darum bemühten, dieses reizvolle Stück Land für sich zu gewinnen. Es kam zu mehreren Konfrontationen, bis Estácio de Sá schließlich der Aufbau einer befestigten Siedlung am Tor der Bucht gelang und im März 1565 offiziell die Stadt São Sebastião do Rio de Janeiro gründete. Von hier aus entwickelte sich der Ort allmählich weiter, strebte in alle Richtungen, während die »Alte Stadt« immer mehr zur Verteidigungsbastion wurde. Heute steht dort das Fort São João, wo einst die Portugiesen ihre allerersten Häuser errichteten. Der wunderhübsche, kleine Strand Praia Vermelha diente in früheren Jahren als Standort für das sogenannte Bataillon der Ingenieure und der Militärakademie. Im Jahr 1938 gab die Stadt endlich dieses traumhafte Fleckchen Erde für alle Erholungssuchenden frei, ungefähr zeitgleich durften sich die Bewohner über die Eröffnung des wunderschön gestalteten Parks Praça General Tibúrcio freuen.

Erblühende Wissenschaften und der Urca-Prozess

Nicht nur der Tourismus, auch die Wissenschaften erblühten mit der Zeit in Urca: Die Stadt hat auf dem Gebiet der Astrophysik Geschichte geschrieben! Der »Urca Prozess« beschreibt eine Reaktion, die dazu führt, dass Neutrinos emittiert werden, die wiederum höchstwahrscheinlich kompakte astrologische Objekte wie Neutronensterne und Weiße Zwerge kühlen. Der Urca Prozess wurde zum ersten Mal durch die Physiker George Gamow und Mário Schenberg beschrieben, und zwar ausgerechnet, als sie die Spielbank Cassino da Urca in Rio de Janeiro besuchten. In diesem Kontext sagte Schenberg angeblich zu Gamow, dass »die Energie im Kern einer Supernova ebenso schnell verschwindet wie das Geld an diesem Roulettetisch«. Und der Hausvorteil im Roulette liegt nur bei 2,7 %! Wie auch immer, dieses Beispiel zeigt deutlich, welchen Einfluss die Casinos einst in jener Region besaßen. Das Cassino da Urca gibt es heute leider nicht mehr, doch es kursieren noch viele Geschichten und Legenden rund um diesen historischen Ort.

Rio de Janeiros Stadtteil Urca entsteht

Doch ein Stück weit zurück, im auslaufenden 19. Jahrhundert, gab es noch kein Stadtteil, der sich Urca nannte. Das Meer zog sich noch bis zum Fuß des Zuckerhutes, dem Morro da Urca. Der Portugiese und erfolgreiche Geschäftsmann Domingos Fernandes fasste ungefähr 1880 erste Pläne, eine neue Stadt aus dem Boden zu stampfen, genau dort, wo sich heute Urca befindet. Dafür unterschreib er 1895 einen Vertrag, der ihn dazu verpflichtete, entsprechende Aufschüttungen für einen Kai vorzunehmen. Die Heeresführung setzte sich allerdings mit ihren Bedenken durch, sodass dieses wichtige Verbindungsstück nicht errichtet wurde.

1921 trat der Ingenieur Oscar de Almeida Gama in dieselbe Bresche, er gründete die Gesellschaft “Empresa da Urca“, die erneut für den Bau eines Kais eintrat. Endlich kam das Projekt zustande, es gab eine neue »Avenida Portugal“ entlang des aufgeschütteten Küstenstreifens und die Grundstücke wurden unter den zahlreichen Interessenten verteilt. Beispielsweise setzte sich auch ein Yacht-Club hier fest, der bis heute besteht – nur seinen Namen hat er inzwischen ein wenig geändert. 1922 erfolgte dann die Freigabe des Bebauungsplans für den Ortsteil Urca, die Aufschüttung wurde vergrößert und mit Dämmen ausgestattet. Anfang 1923 waren die ersten Gebäude zu bewundern, sodass wir ab diesem Zeitpunkt von einem ganz realen Stadtteil sprechen können.

Ein mondäner Ort mit hoher Lebensqualität

Vornehmlich hielten Adelige in den neuen Häusern Einzug, die wunderschöne Lage zog sie an. In jener Zeit explodierte die Zahl der Spielbanken förmlich, und viele Prominente fühlten sich von dem aufregenden, mondänen Leben am Zuckerhut angezogen. Heutzutage leben hauptsächlich Menschen der Mittel- und Oberschicht in Urca, auch prominente Forschungs- und Marineeinrichtungen haben ihren festen Platz gefunden. Das ehemalige Casino beherbergt aktuell den Fernsehsender TV-Kanals Tupi – für Unterhaltung ist also weiterhin gesorgt.

Zukunftsaussichten?

Platz zum Bauen bleibt in Urca nicht mehr, eventuell ließen sich die Aufschüttungen noch erweitern – doch das ist zurzeit nicht geplant. Der Ort bietet eine hohe Wohnqualität, Immobilien sind teuer, die Mietpreise richten sich eher an die obere Gesellschaftsschicht. Große Veränderungen sind in dieser Hinsicht nicht zu erwarten, doch im Grunde genommen erscheint dieser besondere Stadtteil doch so, wie er ist, ziemlich perfekt!

Tags: belo horizonte, dilma, politikerin, wiederwahl

 

 

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