Michael Jackson Statue in Rio

Michael Jackson und Olodum

Michael Jackson: Videodreh in einer der ärmsten Favelas von Rio

Himmlische Schönheit neben irdischer Armut

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Rio de Janeiro war schon immer eine Stadt der krassen Gegensätze. Abseits der Traumstrände von Copacabana und Ipanema, dem Zuckerhut und der Christusstatue befinden sich auf dem Stadtgebiet der brasilianischen Metropole über 500 Favelas. Von einer dieser Favelas, der hochgelegenen Dona Marta bietet sich ein besonders spektakulärer Ausblick auf Rio de Janeiro und seine Wahrzeichen.

1995 lädt Michael Jackson die brasilianische Percussion-Truppe Olodum ins Studio ein. Die Bandmitglieder erzählen viel von ihrer Heimat, einige von ihnen kommen eben aus jener berüchtigten Favela Dona Marta, hoch über Rio. Kein Wunder also, dass sich Michael Jackson am 11. Februar 1996 just für diesen Ort für seinen Videodreh zu "They Don't Care About Us" entscheidet. Trotz, oder gerade weil die Dona Marta zu jener Zeit zu einem der gefährlichsten Stadtviertel der Welt zählt. Denn Michael Jackson ging gerne dorthin wo es wehtat, um seine Botschaft rüberzubringen. Passend zum Text seines Protestsongs gegen soziale Ungerechtigkeit – inszeniert von keinem Geringeren als Starregisseur Spike Lee.

Dreharbeiten mit Startschwierigkeiten

Zunächst hatte nichts darauf hingedeutet, daß Michael Jackson jemals hier drehen würde. „Zu gefährlich“ befand sein Management. Außerdem verweigerte der Gouverneur von Rio anfangs die Einreisegenehmigung, schließlich stand die Bewerbung für die Olympischen Spiele 2004 bevor. Da war ein Video, das die sozialen Missstände zeigt alles andere als förderlich. Nachdem sich aber auch die brasilianische Fußball-Legende Pelé für Jackson stark machte, konnte die Regierung ihre Zustimmung nicht länger verweigern. Zu guter Letzt musste nur doch die örtliche Drogenmafia überzeugt werden, indem man diese mit genug Geld schmierte. Die vielen kleinen Drogendealer vor Ort waren mit weniger zufrieden: Spike Lee drückte jedem von ihnen 50 Dollar und ein T-Shirt mit der Aufschrift „Michael Jackson Security“ in die Hand, schon waren sie als Bodyguards rekrutiert.

12.000 Menschen lebten zu jener Zeit in Rio's Dona Marta auf engstem Raum und kämpfen täglich ums Überleben. Elektrisches Licht, fliessendes Wasser und Müllentsorgung: Fehlanzeige. Es wird noch Jahre dauern, bis diese Errungenschaften der modernen Zivilisation hier Einzug halten. In der Zwischenzeit schlafen die Bewohner in ihren rostigen Blechhütten auf dem Boden und ertragen den überall herrschenden Gestank. Michael Jackson ist entsetzt von den Zuständen.

Michael, willkommen in einem anderen Rio de Janeiro

Aus Sicherheitsgründen kommt er per Hubschrauber eingeflogen. Indes ist das Gedränge bei den Bewohnern sehr groß, um einen Blick auf den King of Pop zu ergattern. Sie skandieren „Mi-chael! Mi-chael!“ Auch das Polizeiaufgebot ist riesig – eine Hundertschaft schwerbewaffneter Militärpolizisten sorgt dafür, dass Jackson kein Haar gekrümmt wird, keine leichte Aufgabe in dieser brandgefährlichen und zu dieser Zeit noch von der Drogenmafia regierten Favela. Eine absolute „No-go-Area“ für Touristen. Doch die Einheimischen begrüßen Michael Jackson friedlich, ja euphorisch: "Willkommen in der Welt. Nicht in der wunderschönen, aber der bescheidenen Welt der Armen" steht auf den selbst gemalten Bannern sinngemäß.

Jackson gibt sich volksnah, er winkt den rund um den Drehort versammelten Schaulustigen zu, geht zu ihnen und umarmt sie. Auch seine Kleidung sagt: „ich bin einer von euch“ – neben einer alten Jeans trägt er ein weißes T-Shirt mit dem Logo der lokalen Percussiongruppe Olodum, die Jackson im Video tatkräftig begleitet.

Als Spike Lee „Action!“ ruft, fällt die Klappe und Jackson legt los. Immer wieder ballt er entschlossen die Faust und singt dazu mit entschlossenem Gesichtsausdruck in Richtung Kamera: "Hit me, kick me, you can never get me. All I wanna say is that they don't really care about us". Am Ende und als Höhepunkt dieser Szene schließlich zerreißt er sich sein T-Shirt - eine symbolische Geste der Befreiung - unter lautem Johlen der Menge.

Michael Jackson Statue in Rio eingeweiht

Ein Jahr nach dem Tod von Michael Jackson - am 26 Juni 2010 - wurde an Ort und Stelle der Dreharbeiten in Dona Marta eine lebensgroße Statue eingeweiht. Nicht zuletzt um seine finanzielle Unterstützung der Bewohner der Favela zu würdigen. Die bronzene Figur steht auf einer neu geschaffenen Aussichtsplattform auf dem Dach des örtlichen Kulturzentrums. Der Platz wurde eigens in „Michael-Jackson-Platz" umbenannt.

Wer das Video „They don't care about us“ heute ansieht, wird erkennen, dass sich seit 1996 viel in Rio getan hat. Die Hütten sind bunt statt grau, ein Abwassersystem wurde installiert. Mittlerweile kommen sogar viele Touristen hierher und machen Selfies von sich und der Statue. Die Dona Marta ist mittlerweile fast so etwas wie eine Vorzeige-Favela von Rio geworden, größtenteils friedlich und erschlossen.

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Tags: touristen, olodum, drogenmafia, favela, video, videodreh

 

 

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